Facharztpraxis · Istanbul

Zygoma-Implantat

Im Jochbein verankertes Implantat — eine Option für ausgewählte Patienten mit starkem Knochenabbau im Oberkiefer.

Aykut Gürel

Was ist ein Zygoma-Implantat?

Ein Zygoma-Implantat holt seine Verankerung nicht aus dem Kieferknochen, sondern aus dem Jochbein (Os zygomaticum). Herkömmliche Implantate sind in der Regel 8–16 mm lang; ein Zygoma-Implantat ist deutlich länger, weil es den abgebauten Kieferknochen überbrücken und einen anderen Knochen erreichen muss.

Es kommt infrage, wenn der Oberkiefer für herkömmliche Implantate keinen ausreichenden Halt mehr bietet. Bei manchen Patienten kann es einen umfangreichen Knochenaufbau vermeiden. Es ist nicht bei jedem Knochenabbau die erste Wahl und chirurgisch anspruchsvoller als eine Standardimplantation: Chirurgischer und prothetischer Plan müssen gemeinsam erstellt werden.

Wie sich die Alternativen vergleichen

Gegen ein Zygoma-Implantat abgewogen werden: eine herkömmliche Implantatplanung mit dem verbliebenen Knochen, Implantate nach Knochenaufbau, und herausnehmbarer Zahnersatz. Auch All-on-4 setzt ausreichend Knochen an den richtigen Stellen voraus und ist keine Antwort auf jeden Grad des Knochenabbaus.

Zu besprechen sind der Umfang des Eingriffs, die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Maßnahmen, die Reinigbarkeit der Versorgung, die Gesamtdauer der Behandlung und Ihre persönlichen Risiken. Dass ein Zygoma-Implantat für jeden Patienten sicherer, schneller oder günstiger wäre, lässt sich nicht sagen.

Keine der beiden Spalten ist grundsätzlich die bessere Wahl. Welche für Sie gilt, ergibt sich aus Ihrer Anatomie, Ihrem Allgemeinzustand und der geplanten Versorgung.

KriteriumStandardimplantatZygoma-Implantat
VerankerungKieferknochen des OberkiefersJochbein (Os zygomaticum)
LängeIn der Regel 8–16 mmDeutlich länger, bis zum Jochbein
Wird erwogen beiAusreichendem Resthalt im KieferknochenFehlendem Halt im Oberkiefer
KnochenaufbauBei unzureichendem Knochen erforderlichBei manchen Patienten vermeidbar; an anderen Stellen nicht ausgeschlossen
OperationsgebietInnerhalb des KiefersIn der Nähe von Kieferhöhle und Augenhöhle
In der Literatur berichtete KomplikationenAusbleibende Einheilung, periimplantäre ErkrankungSinusitis 2,4 %, Weichgewebsinfektion 2,0 %, Parästhesie 1,0 %, oroantrale Fistel 0,4 % (Chrcanovic 2016)
Erforderliche ErfahrungImplantologische AusbildungMund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie mit Erfahrung in dieser Technik

Ablauf der Behandlung

1. Untersuchung und 3D-Diagnostik

Kiefer- und Gesichtsanatomie, Kieferhöhlen, Bisslage und prothetischer Bedarf werden untersucht, dazu Allgemeingesundheit und Medikation. Wo angezeigt, wird eine Stellungnahme des zuständigen medizinischen Fachgebiets eingeholt.

2. Chirurgische und prothetische Planung

Je nach Knochenangebot können Zygoma-Implantate mit herkömmlichen Implantaten kombiniert oder eine Planung mit vier Zygoma-Implantaten geprüft werden. Die Implantatzahl wird nicht aus der Ferne festgelegt. Digitale Planung und, in geeigneten Fällen, eine OP-Schablone können die Beurteilung des Operateurs unterstützen.

3. Der Eingriff

Das Anästhesieverfahren richtet sich nach Allgemeinzustand und Umfang des Eingriffs. Behandlungsumgebung und Teambedarf werden vorab festgelegt. Der Eingriff erfordert Erfahrung sowohl in der Zygoma-Chirurgie als auch in der nachfolgenden prothetischen Versorgung.

4. Provisorium und definitive Versorgung

Wenn Primärstabilität und prothetische Voraussetzungen es zulassen, kann früh eine festsitzende provisorische Versorgung erwogen werden. Feste Zähne am OP-Tag sind für niemanden garantiert. Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, wird die Belastung verschoben. Die definitive Versorgung entsteht nach Einheilung und Kontrollen und ist eine eigene Behandlungsphase.

Risiken und Langzeitkontrolle

Sinusitis, Weichgewebsinfektion, eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle, Sensibilitätsstörungen und Implantatverlust können auftreten. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft wichtiger Strukturen sind auch seltene, aber ernste Komplikationen möglich. An der Versorgung selbst können Wartungs- oder Reparaturbedarf entstehen.

Die systematische Übersicht von Chrcanovic und Kollegen nennt Sinusitis unter den bedeutsamen Komplikationen und weist darauf hin, dass sie noch Jahre nach dem Eingriff auftreten kann. Dass ein Implantat in situ bleibt, heißt nicht, dass nichts vorgefallen ist. Regelmäßige Kontrolle und die Reinigung um die Versorgung herum sind Teil der Langzeitversorgung, keine freiwillige Zugabe.

Was die Studienlage berichtet

Es handelt sich um Gruppendaten mit den Einschränkungen, die die Autoren selbst benennen. Sie sagen kein individuelles Ergebnis voraus und sind kein Versprechen.

Zusammengefasst sagen die Arbeiten unten: Das Verfahren ist gut dokumentiert, Misserfolge treten gehäuft früh auf, Sinuskomplikationen sind das, worauf zu achten ist, und die Versorgung braucht eigene Wartung. Das ist etwas anderes als eine Erfolgsquote, die als persönliche Prognose angeboten wird.

  • Chrcanovic und Kollegen (2016) werteten 68 Studien mit 4.556 Zygoma-Implantaten bei 2.161 Patienten aus und berichteten eine kumulative 12-Jahres-Überlebensrate von 95,21 %; die meisten Misserfolge wurden in den ersten sechs Monaten nach dem Eingriff festgestellt. Dieselbe Übersicht nennt postoperative Sinusitis bei 2,4 %, Weichgewebsinfektion bei 2,0 %, Parästhesie bei 1,0 % und oroantrale Fistel bei 0,4 % — mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass diese Zahlen zu niedrig sein könnten, weil ein Teil der eingeschlossenen Studien Komplikationsraten gar nicht berichtete.
  • Aparicio und Kollegen (2006) begleiteten 69 Patienten mit 131 Zygoma- und 304 herkömmlichen Implantaten über sechs Monate bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum wurde kein Zygoma-Implantat entfernt; drei Patienten entwickelten jedoch 14–27 Monate nach dem Eingriff eine Sinusitis, bei neun Patienten lockerten sich Goldschrauben, und bei vier Patienten frakturierten prothetische Zähne. Die prothetische Seite benötigte Zuwendung, auch wo die Implantate hielten.
  • Bedrossian (2010) berichtete eine prospektive 7-Jahres-Studie mit 36 Patienten, versorgt mit 74 Zygoma- und 98 anterioren Implantaten. Zwei Zygoma-Implantate waren bei der Freilegung mobil und wurden ersetzt; drei Patienten hatten Kieferhöhleninfektionen, die auf orale Antibiotika nicht ansprachen und endoskopisch operiert werden mussten.

Behandlung in Istanbul für DACH-Patienten

Die Behandlung wird in Etappen geplant: Eingriff und Einheilungsphase, danach die definitive Versorgung. Wie lang jeder Aufenthalt ausfällt, ergibt sich aus Befund und Planung und wird nicht vorab als feste Tageszahl zugesagt. Vor der Anreise sichten wir Ihre vorhandenen Aufnahmen und erstellen einen schriftlichen, individuellen Behandlungsplan auf Deutsch. Klären Sie dabei auch, wer Sie nach der Rückreise kontrolliert und was gilt, falls eine Komplikation auftritt — gerade weil die meisten Misserfolge in die ersten sechs Monate fallen.

Sie besprechen Ihre Anfrage und Ihren Termin direkt mit Dr. Gürel über seine persönliche WhatsApp-Nummer. Er behandelt Patienten aus dem Ausland bei Dentopol Ümraniye: Montag, Mittwoch und Samstag, 09:00–18:00 Uhr (Istanbul). Transfer und Unterkunft können organisiert werden; Verfügbarkeit, Ablauf und Kosten stimmen Sie vor der Reise schriftlich mit Dr. Gürel ab.

Häufig gestellte Fragen

Erspart ein Zygoma-Implantat den Knochenaufbau? Bei manchen Patienten lässt sich ein Aufbau vermeiden; dass im gesamten Kiefer keiner nötig wäre, lässt sich nicht sagen. An anderen Stellen können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein. Der Plan steht nach Untersuchung und Bildgebung fest.

Werden die definitiven Zähne am OP-Tag eingesetzt? Wo eine frühe Belastung vertretbar ist, handelt es sich in der Regel um eine provisorische Versorgung. Der Zeitpunkt der definitiven Versorgung richtet sich nach Gewebeheilung, Zustand der Implantate und prothetischer Planung.

Hält ein Zygoma-Implantat lebenslang? Eine lebenslange Garantie gibt es nicht. Implantate und Versorgung brauchen regelmäßige Pflege; biologische oder mechanische Probleme können weitere Behandlung erfordern. Überlebensraten aus Studien legen kein individuelles Ergebnis fest.

Ist der Eingriff schmerzhaft? Der Schmerz während des Eingriffs wird durch die Anästhesie kontrolliert. Beschwerden, Schwellung und Hämatome danach sind zu erwarten; ihr Ausmaß hängt vom Eingriff und von der Person ab, eine feste Tageszahl wird nicht zugesagt. Melden Sie sich, wenn Schmerzen zunehmen statt nachzulassen.

Wann darf ich wieder fliegen? Das legt der behandelnde Operateur nach dem Heilungsverlauf fest, nicht ein Kalender. Eine Kontrolle vor der Abreise gehört dazu.

Wovon hängen die Kosten ab? Implantatzahl, chirurgischer und anästhesiologischer Aufwand, provisorische und definitive Versorgung sowie Zusatzmaßnahmen wirken sich aus. Ein individueller Plan mit ausgewiesenem Umfang entsteht nach der Untersuchung. Lassen Sie Nachsorge und den Umgang mit einer möglichen Komplikation schriftlich in diesen Plan aufnehmen. Aktuelle Kostenfaktoren behandelt der Ratgeber Zygoma-Implantat Kosten 2026.

Welches Zygoma-System und welche Schablone werden verwendet? Bei Zygoma-Implantaten kommen bei Dentopol Ümraniye JD-Zygoma-Implantate und das Z-GO-Guide-System zum Einsatz. Ob und wie die Schablone eingesetzt wird, wird fallweise geplant; sie ersetzt weder die Beurteilung des Operateurs während des Eingriffs noch den Sicherheitsabstand zu anatomischen Strukturen. Welches System und Modell verwendet wird, können Sie bei Ihrem Behandler erfragen.

Wissenschaftliche Quellen

  • Chrcanovic BR, Albrektsson T, Wennerberg A. Survival and Complications of Zygomatic Implants: An Updated Systematic Review. *Journal of Oral and Maxillofacial Surgery*. 2016;74(10):1949-1964. PMID 27422530. DOI
  • Aparicio C, Ouazzani W, Garcia R, Arevalo X, Muela R, Fortes V. A prospective clinical study on titanium implants in the zygomatic arch for prosthetic rehabilitation of the atrophic edentulous maxilla with a follow-up of 6 months to 5 years. *Clinical Implant Dentistry and Related Research*. 2006;8(3):114-122. PMID 16919019. DOI
  • Aparicio C, Manresa C, Francisco K, et al. Zygomatic implants: indications, techniques and outcomes, and the zygomatic success code. *Periodontology 2000*. 2014;66(1):41-58. PMID 25123760. DOI
  • Bedrossian E. Rehabilitation of the edentulous maxilla with the zygoma concept: a 7-year prospective study. *International Journal of Oral & Maxillofacial Implants*. 2010;25(6):1213-1221. PMID 21197500.

Für wen ist diese Behandlung geeignet?

Anatomische Beurteilung: Oberkiefer, Jochbein und Kieferhöhlen werden klinisch und bildgebend beurteilt.

Allgemeingesundheit und Medikamente: Medikamente mit Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, nicht eingestellte Erkrankungen und Vorbehandlungen werden gesondert betrachtet. Wer für einen Knochenaufbau ein Risiko darstellt, gilt nicht automatisch als geeignet für ein Zygoma-Implantat.

Kieferhöhlen und Nachsorge: Bestehende Sinusbeschwerden sowie die Frage, ob langfristige Mundhygiene und Kontrolltermine realistisch sind, gehören in die Planung.