Implantattypen und -marken: Worauf es bei der Auswahl ankommt

Sp. Zhna. Aykut Gürel — Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Sp. Zhna. Aykut Gürel

Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

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Worauf sollte man bei der Wahl einer Implantatmarke achten?

Bei der Wahl einer Implantatmarke betrachten wir nicht nur das Implantat, das in den Knochen eingesetzt wird, sondern die gesamte Behandlung: vom chirurgischen Eingriff über den Zahn, der darauf angefertigt wird, bis zur Pflege Jahre später.

Heute gibt es verschiedene Implantatsysteme, die die Anforderungen an Sicherheit und Leistung erfüllen und deren Ergebnisse bei Patienten untersucht wurden. Eine einzige „beste Marke“ für alle Patienten gibt es jedoch nicht. Zuerst bestimmen wir die Systeme, die zur Beschaffenheit und Menge des Knochens und zum geplanten Zahn passen. Danach bewerten wir ihre klinischen Daten, die Versorgung mit Komponenten und unsere chirurgische und prothetische Erfahrung mit dem jeweiligen System gemeinsam. 1 15

Wichtig ist, dass der Behandler das chirurgische Vorgehen und die prothetischen Komponenten des verwendeten Systems sicher beherrscht. Zusammen mit einem System, das zur Patientin oder zum Patienten passt, hilft uns diese Erfahrung, die Behandlungsschritte gemeinsam zu planen. Warum wir ein bestimmtes Implantat wählen und welche Alternativen es gibt, besprechen wir ebenfalls mit Ihnen.

Was sagen Marke, Modell und Herstellungsland aus?

Die Marke zeigt, zu welchem Unternehmen ein Produkt gehört; das Modell bezeichnet ein bestimmtes Implantatdesign. Eine Marke kann Modelle für unterschiedliche Knochenverhältnisse und Behandlungen anbieten. Deshalb sollte man nicht alle Modelle einer Marke gleichsetzen, sondern den Einsatzbereich und die klinischen Daten des vorgeschlagenen Produkts betrachten.

Manche Patienten wünschen sich ausdrücklich ein Implantat einer deutschen oder Schweizer Marke. Verallgemeinerungen wie „Jedes deutsche Implantat ist gut“ oder „Türkische Implantate sind schlecht“ treffen jedoch nicht zu. Das Herkunftsland einer Marke oder der Herstellungsort eines Produkts bestimmt allein weder die Qualität noch die Eignung für Sie. Auch Systeme aus demselben Land können sich in Design, langfristigen Ergebnissen bei Patienten und Versorgung mit Komponenten unterscheiden.

Ob ein System aus der Türkei oder aus dem Ausland stammt, wir beurteilen es nach denselben Kriterien: Ist das vorgeschlagene Modell für die Behandlung geeignet? Welche klinischen Daten stützen es? Sind die benötigten Komponenten erhältlich? Ein Ländername oder ein „Premium“-Etikett ersetzt diese Fragen nicht. Den allgemeinen Ablauf der Behandlung finden Sie auf unserer Seite zur Zahnimplantat-Behandlung.

Wie beeinflusst die Knochenqualität die Wahl des Implantats?

Zu den wichtigsten Punkten, auf die wir während der Operation achten, gehört, wie fest und stabil das Implantat im Moment des Einsetzens im Knochen sitzt. Das nennen wir Anfangsstabilität (Primärstabilität). Sie entsteht durch die mechanische Verankerung des Implantats im Knochen. Wird keine ausreichende Stabilität erreicht und bewegt sich das Implantat während der Heilung zu stark, kann das Einheilen in den Knochen beeinträchtigt werden. Besonders wichtig ist die Anfangsstabilität, wenn geplant ist, das Implantat sofort mit Zähnen zu versorgen. 4

Das Design des Implantatkörpers und seiner Gewindegänge beeinflusst, wie sich das Implantat im Knochen verankert. In weicherem Knochen können manche Designs, die den Knochen deutlicher greifen und oft als „aggressiv“ bezeichnet werden, helfen, die Anfangsstabilität zu erhöhen. Wird dasselbe Design in hartem, dichtem Knochen verwendet, muss das Implantatbett entsprechend vorbereitet werden; sonst kann eine übermäßige Kompression entstehen, und das Implantat lässt sich schwerer in der geplanten Position einsetzen. 2

Es ist wichtig, dass das Implantat von Anfang an stabil sitzt; mehr Kompression beim Einsetzen bedeutet aber nicht immer ein besseres Ergebnis. Übermäßige Kompression kann das Knochengewebe und die Heilung beeinträchtigen. In einigen klinischen Studien wurde bei einem höheren Eindrehmoment, also der Drehkraft beim Einsetzen des Implantats, über mehr Knochenabbau und Zahnfleischrückgang berichtet; nicht alle Studien kommen jedoch zum selben Ergebnis. 3 4 Deshalb legen wir das Implantatdesign und das chirurgische Protokoll, also die Art, wie das Implantatbett vorbereitet und das Implantat eingesetzt wird, gemeinsam fest, abgestimmt auf die Knochenqualität und die anatomische Region. Unser Ziel ist ausreichende Stabilität, ohne den Knochen unnötig zu belasten.

Welche Möglichkeiten gibt es je nach Knochenangebot?

Zahnimplantate für den Kieferknochen werden in unterschiedlichen Durchmessern und Längen hergestellt. Neben der Härte des Knochens beurteilen wir auch seine Höhe und Breite und planen die passenden Maße gemeinsam mit dem Zahn, der darauf entstehen soll.

Wenn die Knochenhöhe begrenzt ist: kurze Implantate

In manchen Bereichen, in denen die vertikale Knochenhöhe für ein Implantat in Standardlänge nicht ausreicht, können wir kurze Implantate (auch „Short Implants“ genannt) verwenden. Bei geeigneten Patienten kann diese Option eine Alternative zum Knochenaufbau sein; dabei beurteilen wir auch die vorhandene Knochenbreite, die Anfangsstabilität und die Kaubelastung. Kurze Implantate sind nicht bei jedem Knochenmangel geeignet. 5

Wenn die Knochenbreite begrenzt ist: schmale Implantate

In manchen Bereichen, in denen der Knochen schmal oder der Platz zwischen den Nachbarzähnen begrenzt ist, können wir Implantate mit reduziertem Durchmesser in Betracht ziehen. Es genügt nicht, dass das Implantat in die Lücke passt: Um das Implantat herum muss ausreichend Knochen vorhanden sein, und der gewählte Durchmesser muss zum geplanten Zahn und zur Kaubelastung passen. Ein schmales Implantat macht einen Knochenaufbau bei sehr dünnem Knochen nicht immer überflüssig. 6

Weites Zahnfach nach einer Zahnentfernung: Implantate mit großem Durchmesser

In manchen Fällen, in denen wir direkt nach der Entfernung eines mehrwurzeligen Zahns, etwa eines Backenzahns, ein Implantat einsetzen, können Implantate mit großem oder besonders großem Durchmesser nötig sein, um Anfangsstabilität zu erreichen. Wir wählen nicht allein nach der Breite des Zahnfachs; wir beurteilen gemeinsam den Knochen zwischen den Wurzeln und jenseits der Wurzelspitzen, die umgebenden Knochenwände und die Position des geplanten Zahns. Unser Ziel ist es, in der richtigen Position ausreichende Stabilität zu erreichen und dabei den umgebenden Knochen zu erhalten. Nicht jede Entfernung eines Backenzahns erfordert ein Implantat mit großem Durchmesser. 7

Bei fortgeschrittenem Knochenabbau: Implantate mit Halt in anderen Knochenregionen

Wenn im Oberkiefer für Standardimplantate nicht mehr genug Knochen vorhanden ist, können wir bei ausgewählten Patienten Halt in anderen Knochenregionen suchen. Zygoma-Implantate sollen sich im Jochbein verankern, Pterygoid-Implantate in der Pterygoidregion hinter dem Oberkiefer und nasale bzw. transnasale Verfahren in geeigneten Knochenstrukturen im Bereich der Nase. 8 9 10

Diese Ansätze haben weder dieselben Einsatzbereiche noch dieselbe klinische Evidenz; vor allem für transnasale Verfahren sind Langzeitdaten begrenzt. Wir entscheiden anhand der dreidimensionalen Bildgebung, der Anatomie von Kieferhöhle und Nasenbereich, der allgemeinen Gesundheit und des geplanten Zahnersatzes. Mehr über Zygoma-Implantate.

Nicht jede Marke oder Produktreihe bietet alle diese Durchmesser, Längen und Sonderformen an. Deshalb prüfen wir bei der Wahl der Marke auch, ob Implantate, Verbindungsteile und chirurgische Instrumente verfügbar sind, die zum Bedarf der Patientin oder des Patienten passen.

Vier schematische Implantatkörper auf derselben Grundlinie, von links nach rechts: Standard, kürzer, schmaler Durchmesser und großer Durchmesser.
Unterschiedliche Durchmesser und Längen für unterschiedliches Knochenangebot

Von links nach rechts: ein Standardbeispiel, dann ein kurzes, ein schmales und ein breites Implantat. Durchmesser und Länge werden gewählt, indem vorhandener Knochen und geplanter Zahn gemeinsam beurteilt werden.

Mit KI erstellte schematische Darstellung, nicht maßstabsgetreu. Sie zeigt keine bestimmte Marke und keine echten Produktmaße.

Wie beeinflusst der geplante Zahn die Wahl des Implantats?

Damit der Zahn auf dem Implantat passend gestaltet, die Abformung genau übertragen und die Versorgung bei Bedarf gewartet werden kann, prüfen wir die prothetischen Möglichkeiten des Systems von Anfang an. Für einen Einzelzahn, eine Brücke oder Zahnersatz für einen ganzen Kiefer können unterschiedliche Verbindungsteile nötig sein. Entscheidend ist, dass das System die Komponenten bietet, die für die geplante Behandlung benötigt werden.

Auch die Gestaltung der Verbindung zwischen dem Implantatkörper und dem Abutment, also dem Aufbauteil, das den Zahn trägt, spielt bei der Wahl eine Rolle. Es gibt unterschiedliche Verbindungstypen und -größen; ähnlich aussehende Teile sind nicht immer miteinander kompatibel. Wir prüfen, ob die vorgesehenen Teile zum jeweiligen Implantatmodell passen, und berücksichtigen Handhabung und Wartung des Verbindungssystems. Wir betrachten keinen einzelnen Verbindungstyp als die beste Wahl für alle Patienten. 11

Getrennte Teile einer Einzelzahnversorgung auf einem Implantat: oben eine weiße Krone, in der Mitte ein metallisches Abutment, unten ein Implantatkörper mit Gewinde.
Implantat, Abutment und Zahn werden gemeinsam geplant

Von oben nach unten: Krone, Abutment (Verbindungsteil) und Implantatkörper. Die Teile müssen mit dem gewählten Implantatmodell kompatibel sein.

Mit KI erstellte schematische Darstellung; kein Foto von echten Patienten oder Produkten. Verbindungsformen unterscheiden sich je nach System.

Warum ist die Kompatibilität mit digitaler Planung und Abformsystemen wichtig?

Ob das Implantatsystem mit unseren Werkzeugen für digitale Planung, Abformung und Prothetikdesign kompatibel ist, gehört ebenfalls zu unseren Auswahlkriterien. Dafür müssen digitale Bibliotheken vorhanden sein, also digitale Datensätze der Teile, mit denen die Software das Implantat und seine Komponenten korrekt erkennt. Die Unterstützung in der Software für die chirurgische Planung und in der Software für das Prothetikdesign prüfen wir getrennt. 16

Vor allem bei Zahnersatz für einen ganzen Kiefer auf mehreren Implantaten können wir Photogrammetriesysteme nutzen. Sie erfassen mithilfe spezieller Markierungen, wie die Implantate oder die darauf befestigten Verbindungsteile zueinander stehen. Wenn wir diese Methode einsetzen wollen, müssen für das Implantat oder das Abutment gerätekompatible Abformteile und korrekte digitale Datensätze verfügbar sein. 12 17

Kompatibilität beurteilen wir nicht allein am Markennamen; wir prüfen Modell, Verbindungsgröße, Abutment und Geräte-Software-System gemeinsam. Die mit der Photogrammetrie ermittelten Positionsdaten ergänzen wir um Aufzeichnungen von Zahnfleisch und Biss sowie weitere intraorale Aufnahmen. So planen wir schon vor dem Einsetzen des Implantats, wie wir es abformen und wie der Zahn darauf gefertigt wird.

Sind Implantat und Zahn darauf aus demselben Material?

Für den Implantatkörper können Materialien wie Titan oder Zirkonoxid verwendet werden. Das Implantat im Knochen und der Zahn darauf sind jedoch getrennte Teile. Ist von einer „Zirkonkrone“ die Rede, ist meist das Material des Zahns gemeint; das bedeutet nicht, dass auch das Implantat im Knochen aus Keramik besteht.

Das Material beurteilen wir zusammen mit Einsatzbereich, Design und prothetischen Möglichkeiten. Dass ein Produkt kein Metall enthält, zeigt für sich allein nicht, dass es für alle sicherer oder erfolgreicher ist. Bekannte Allergien und frühere Probleme mit Materialien berücksichtigen wir bei der Behandlungsplanung ebenfalls. 13 15

Wie werden Wartung und Ersatzteile auch nach Jahren gesichert?

Die Wahl des Implantats betrifft nicht nur den Tag, an dem die Behandlung abgeschlossen wird. Wichtig ist auch, dass passende Teile erhältlich sind, wenn der Zahnersatz später repariert oder ein Teil ausgetauscht werden muss. Deshalb sehen wir die Versorgung des Systems mit Komponenten und die Aufbewahrung der Angaben zu den verwendeten Produkten als Teil der Behandlung.

Ein Implantatpass oder Produktunterlagen mit Marke, Modell, Durchmesser, Länge und Chargennummer helfen auch, wenn Sie später bei einem anderen Behandler betreut werden. 15 Wir beurteilen die derzeit verfügbare Versorgung mit Teilen; für die Lieferbarkeit in vielen Jahren kann keine uneingeschränkte Garantie gegeben werden.

Das langfristige Ergebnis hängt auch von der allgemeinen Gesundheit, der Mundpflege und regelmäßigen Kontrollen ab. Die Wahl der Marke ersetzt die Nachsorge nicht. 14 Wie Pflege und Kontrollen nach der Implantation aussehen, erklären wir im Ratgeber Heilungsverlauf beim Zahnimplantat.

Wie können Sie sich als Patient an dieser Wahl beteiligen?

Um ein Implantat auszuwählen, müssen Sie nicht alle Marken, Modelle und chirurgischen Details kennen. Ihr Behandler bestimmt anhand der Untersuchungs- und Bildgebungsbefunde die geeigneten Optionen; Sie beteiligen sich an der Entscheidung, indem Sie Ihre Erwartungen, Ihr Budget und Ihre Prioritäten für den Behandlungsablauf mitteilen.

Welche Fragen können Sie Ihrem Behandler stellen?

  • „Welche Marke und welches Modell empfehlen Sie mir und warum?“ Sie können sich erklären lassen, wie die Wahl mit Ihrem Knochen und dem geplanten Zahn zusammenhängt.
  • „Gibt es andere Optionen, die für meine Situation infrage kommen?“ Sie können besprechen, was die Alternativen bei zusätzlichen Eingriffen, Behandlungsdauer und dem geplanten Zahn verändern würden.
  • „Welche Erfahrung haben Sie mit diesem System?“ Sie können fragen, wie vertraut Ihr Behandler mit dem chirurgischen Vorgehen und den prothetischen Komponenten des empfohlenen Systems ist.
  • „Gibt es Langzeitdaten zu diesem Implantatmodell?“ Sie können um Informationen zu den Ergebnissen des vorgeschlagenen Produkts bei Patienten bitten.
  • „Ist dieses System mit der geplanten digitalen Abformung und Herstellung des Zahnersatzes kompatibel?“ Sie können fragen, ob die nötigen Abformteile und die Software-Unterstützung verfügbar sind.
  • „Wie wird ein Teil beschafft, wenn es in einigen Jahren benötigt wird?“ Sie können über Wartung, Reparaturen und die Möglichkeit sprechen, die Behandlung bei einem anderen Behandler fortzusetzen.
  • „Was ist im Behandlungspreis enthalten?“ Sie können klären, wie Implantat, Abutment, der Zahn darauf, ein eventueller Knochenaufbau und Kontrollen berechnet werden. Ein niedriger oder hoher Preis allein sagt nichts über die Qualität aus; wer Angebote vergleicht, muss auch wissen, was sie umfassen.
  • „Bekomme ich die Angaben zum verwendeten Implantat?“ Sie können einen Implantatpass oder Produktunterlagen mit Marke, Modell und Herstellungsangaben verlangen.

Sie können Ihrem Behandler mitteilen, welche Marke Sie im Sinn haben und warum Sie sie bevorzugen. Gemeinsam sollten Sie vor allem besprechen, warum dieses System zu Ihrer Behandlung passt, was die Alternativen bieten und wie die langfristige Wartung sichergestellt wird.

Für einen Termin und eine persönliche Einschätzung können Sie uns auf WhatsApp schreiben.

Quellen

Die klinischen Angaben stützen sich auf die folgenden wissenschaftlichen Publikationen. Die Studien unterscheiden sich in ihren Patientengruppen und Methoden; ihre Ergebnisse sind nicht als Garantie für einen persönlichen Behandlungserfolg zu verstehen. Herstellerunterlagen zur technischen Kompatibilität sind kein Nachweis klinischer Überlegenheit.

Wissenschaftliche Publikationen

Patienteninformation und technische Unterlagen

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